Forschungsgebiet


Ökologie des soziales Lernens und der sozialen Kognition der Pferde


Research Team in abruzzo Mountains Ob Tiere denken können ist immer wieder ein Thema aktueller Diskussionen. Leider können sie nicht verbal mit uns kommunizieren. Doch ihre Kommunikationssysteme können Aufschluss über mentale Prozesse geben. Bei Menschen, zum Beispiel, verrät die Situation des für einander eine Türe-Aufhaltens viel über das Wissen der Personen voneinander. Der Schwerpunkt unserer Forschungen liegt in der Wahrnehmung der Pferde von sozialen Aspekten, der Konsequenzen die Pferde aus diesen Wahrnehmungen für sich selber ziehen und die Einordnung derselben im Rahmen der Bewertung mentaler Fähigkeiten im Tierreich.

Ausgehend von kontrollierten Versuchen in modernen, tierartgerechten Pferde Haltungen sollen beobachtete Verhaltensweisen und Fähigkeiten besonders im natürlichen Umfeld des Pferdes und später bei verwilderten Pferden und wilden Equiden dargestellt werden. In manchen Fällen machen Testserien auch in umgekehrter Reihenfolge Sinn. Eine Fachgebiet übergreifende Diskussion der Ergebnisse zwischen Zoologie, Psychologie und Philosophie bildet die Grundlage der Auswertung der Daten. Gewonnene Erkenntnisse werden besonders im Hinblick auf die Beeinflussung von externen Faktoren (Ökologie) und die Entwicklung (Evolution) von Sozialverhalten und kognitiven Fähigkeiten und dem philosophischen Verständnis von rationalen, mentalen Fähigkeiten von Tieren betrachtet.

So gelang es uns darzustellen, dass Pferde von Artgenossen lernen, allerdings bevorzugt von älteren, ranghöheren und gut bekannten Gruppenmitgliedern. Pferde lernen ebenfalls durch die Beobachtung von Menschen. Sie lernen z.B. eine Futterkiste durch Drücken eines Lichtschalters zu öffnen. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass Pferde die beobachtete Handlung der Menschen nicht exakt kopieren, sondern Menschen vielmehr als Hinweis nutzen an welcher Stelle ein Mechanismus ausgelöst werden muss (durch soziale lokale Verstärkung und Stimulus Verstärkung). Zurzeit beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit den Fähigkeiten einiger Pferde Türen zu öffnen, komplizierte Futterapparate selbständig zu öffnen und mit weiteren innovativen Lösungsansätzen der Pferde für Herausforderungen in ihrem Alltag.

Weiterhin beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit der sensorischen und motorischen Lateralität der Pferde. Denn die Lateralität (nicht zu verwechseln mit der Schiefe der Pferde) verspricht Einblicke in die mentale Verarbeitung von Informationen und in die Bewertung von Informationen unterschiedlicher Qualität zu bieten. Informationen können jeweils mit den linken oder rechten Sinnesorganen erfasst werden. Die Sinnesorgane einer Seite sind überwiegend mit der gegenüberliegenden Gehirnhälfte verknüpft. Informationen werden so an die reaktivere, emotionalere rechte Gehirnhälfte oder an die rationalere, linke Gehirnhälfte weiter gegeben. Welche Seite der Sinnesorgane das Pferd für die Informationsaufnahme wählt weist somit darauf hin welche Qualität die Information für das Pferd hat, bzw. wie die Situation gestaltet ist in der es die Informationen auf nimmt. Veränderungen in der motorischen Lateralität lassen in der Folge Rückschlüsse darauf zu ob Tiere längere Zeit Situationen ausgesetz sind in denen sich die Informationsqualität für sie verändert hat, z.B. bei Stress.

Schließlich und endlich lassen sich aus den Erkenntnissen zu den Einflüssen auf das sozial Verhalten und die soziale Kognition der Pferde Handlungsempfehlungen für die Haltung von Pferden in herkömmlichen Haltungssystemen und in Naturschutzprojekten ableiten.

 

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