Schlichterverhalten

  • Schneider, G.; Krueger, K. (2012) Third-party interventions keep social partners from exchanging affiliative interactions with others; Anim. Behav. 83 377–387  Abstract  Abstract
  • Krueger, K.; Schneider, G.; Flauger, B.; Heinze, J. (2015) Context-dependent third-party intervention in agonistic encounters of male Przewalski horses; Behav. Process. 121 54-62  Abstract  Abstract

Interventionen Dritter in affiliatives (freundliches) Verhalten beschützt soziale Banden

Gudrun Schneider, Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald

Konstanze Krueger, Universität Regensburg


Interventionen Dritter werden als die direkte Unterbrechung dyadischer Interaktionen durch ein drittes, unbeteiligtes Tier definiert. Vorangegangene Studien beschäftigten sich in der Hauptsache mit der Intervention in agonistische Interaktionen. Dagegen fehlen Studien zum Zusammenhang der Interventionen in affiliative Interaktionen mit dem sozialen Umfeld und der räumlichen und sozialen Position des Eingreifers. Pferde sind für die Evaluierung dieses Sachverhaltes eine gute Modellspezies, da sie häufig in freundliche Interaktionen anderer intervenieren. Wir analysierten 67 Interventionen in affiliative Interaktionen von 64 verwilderten Pferden (Equus ferus caballus) dreier Gruppen. In den stabilien Harem Gruppen intervenierten im besonderen hochrangige, Stuten in die affiliativen Interaktionen anderer. Intervenierende Tiere waren aktiv in den agonistischen und affiliativen Interaktionen ihrer Gruppenmitglieder beteiligt, aber übernahmen keine besonderen sozialen Rollen oder räumliche Positionen.  Im Allgemeinen unterstützten sie bevorzugte Gruppenmitgieder und beschützen durch die Intervention ihre eigenen sozialen Banden. Einige Spezies mögen demnach soziale Banden bereits in affiliativen Interaktionen sichern um der Eskalation von Auseiandersetzungen um bevorzugte Tiere in agonistische Streitigkeiten vorzubeugen.

 

Schlichtung von agonistischen Auseinandersetzungen durch unbeteiligte Dritte bei Przewalski Hengsten

Konstanze Krueger, Universität Regensburg and HfWU Nürtingen-Geislingen

Gudrun Schneider, Universität Würzburg

Birgit Flauger, Universität Hohenheim

Jürgen Heinze, Universität Regensburg

Schlichterverhalten unbeteiligter Dritter bei aggressiven Auseinandersetzungen wird als Konfliktlösungsverhalten angesehen. Es wird diskutiert, dass es sowohl der Unterstützung von verwandten Tieren, dem Aufbau von Allianzen und der Bewahrung der Gruppenstabilität dient. In unsere Studie haben wir 40 Fälle Schlichterverhalten in aggressive Auseinandersetzungen bei 13 Przewalski Junghengsten (Equus ferus Przewalskii) während  "alltäglichen Situationen" und während der Integrationen neuer Pferde in diese Junggesellengruppe auf 50 Hektar des Landschaftspflegeprojektes Tennenlohe beobachtet. Obwohl 8 von 13 Tieren Schlichterverhalten zeigten, fiel besonders ein Hengst durch häufiges Intervenieren auf. Die Hengste zeigten keine Präferenz dafür verwandte Tier zu unterstützen und das Verhalten war nicht reziprok, sprich die Beschützten verteidigten die Beschützer in Folge-Auseinandersetzungen nicht. Schlichter halfen Tieren die niedriger im Rang waren und griffen gleichrangige und höherrangige Aggressoren an. Neuankömmlinge die während ihrer Eingliederung beschütz wurden zeigten sich dem Schlichter gegenüber in der Folge besonders freundlich gesinnt. Offensichtlich bauten sich hier im Anschluss an die Eingliederung soziale Bindungen zwischen Schlichter und Beschütztem auf. Schlichter die in "alltäglichen" Situationen in agonistische Auseinandersetzungen eingriffen hatten in der Folge genau so viel freundlich Kontakte wie andere Gruppenmitglieder. In diesen Situationen mag hauptsächlich "geschlichtet" worden sein um die Gruppenstabilität zu erhalten.

 

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